Der Kinderbuchautor Martin Auer erzählt

Amanda kann nicht schlafen gehen, weil Monster in ihrem Zimmer sind. Aber dann gibt es eine Überraschung…
Amanda wechselt dem kleinen Monster die Windel

Geld

Kategorie: Allgemein

„Und, was soll das nun sein, dieses Geld?“ Der alte Kitunda drehte das kleine Papierstück zwischen seinen Fingern.

„Es ist etwas, was die Fremden sehr schätzen“, sagte sein Sohn. „Der Agent sagt, wenn man viele, viele dieser Papierstücke hat, dann gilt man als ein reicher Mann.“

„Das kommt mir ziemlich dumm vor“, sagte der alte Kitunda. „Wenn man viele Kühe hat und viele Felder mit Mais und Yam, ein hübsches Haus und viele Kinder – dann ist man reich. Wozu soll ein Haufen Papierstücke gut sein? Kann man Papier essen? Kann man es anziehen oder darin wohnen?“

„Nun, der Agent sagt, dass man es in alles verwandeln kann. Man kann es in ein Haus verwandeln oder in eine Kuh oder in schöne Kleider, wie sie die Fremden tragen.“

„Dann ist es etwas Magisches?“

„Nein. Man kann einfach diese Papierstück gegen alles eintauschen, was man will. Wenn du ein schönes Haus siehst, kannst du dem Besitzer einige Papierstücke anbieten und ihn bitten, es dir zu überlassen. Wenn er dir das Haus nicht geben will, bietest du ihm mehr Papierstücke an. Irgendwann wird er dir das Haus geben, wenn du ihm bloß genug Papierstücke dafür bietest. Zumindest hat es mir der Agent so erklärt.“

„Dann muss es wirklich sehr starke Magie sein. Vielleicht macht die Magie, dass der Besitzer des Hauses die Fähigkeit verliert, klar zu denken?“

„Nein, das ist es nicht. Der Besitzer des Hauses kann das Geld wieder für etwas anderes eintauschen. Vielleicht für eins von diesen Autos, mit denen die Fremden fahren, oder für ganz viel Essen oder für ein anderes Haus. Deswegen lässt er dir sein Haus im Tausch für das Geld. Mit dem Geld kann er woanders hingehen und ein Haus kaufen und dort wohnen. Du kannst ein Haus nicht mit dir tragen.“

„Aber wenn er auch dumm genug ist ein Haus für Papierstücke herzugeben, wie kann er wissen dass er jemanden anderen findet, der genau so dumm ist und wertvolle Dinge für Papierstücke hergibt?“

„Ich weiß es wirklich nicht, Vater. Aber der Agent sagt, jeder weiß, dass Geld wertvoll ist und deshalb sind alle bereit, Dinge für Geld herzugeben.“

Der alte Kitunda schüttelte den Kopf. „Und der Agent, er hat dir dieses Geld gegeben?“

„Ja. Er hat mir gesagt, ich sollte zurück ins Dorf kommen und allen jungen Männern sagen, dass sie auf der Baumwollplantage arbeiten sollen. Und dafür hat er mir Geld gegeben. Und er hat gesagt, für jeden Mann, der kommt, um zu arbeiten, wird er mir mehr Geld geben.“

„Er will also, dass die Männer auf der Plantage für ihn arbeiten und dafür will er ihnen Geld geben?“

„Nun, die Plantage gehört ihm nicht. Sie gehört seinem Boss. Und sein Boss wird uns das Geld geben.“

„Sie wollen also, dass ihr geht und Baumwolle pflückt für wertlose Papierfetzen. Und wer wird sich um deine Kühe kümmern? Wer wird auf deinen Feldern arbeiten und den Mais und die Yamwurzeln ernten?“

„Der Agent sagt, mit dem Geld, das uns sein Boss geben wird, können wir mehr Mais und Yams kaufen als wir von unseren Feldern ernten.“

„Und was ist, wenn er lügt? Wie könnt ihr wissen, wieviel so ein Stück Papier wirklich wert ist?“

„Ich weiß es nicht, Vater.“

Der alte Mann grübelte eine Weile. „Wenn du mit jemandem Handel treibst, musst du wissen, was das Ding wert ist, das du hergibst, und was das Ding wert ist, das du bekommst. Du kennst doch die Waldleute. Sie pflanzen keinen Mais und keine Yams an. Stattdessen bringen sie uns getrocknetes Fleisch und wilden Honig aus dem Wald und wir tauschen das ein für Mais und Yams. Du weißt, was der alte Ekianga sagt, wenn er glaubt, dass ich ihm zu wenig Mais für sein Fleisch anbiete. Er sagt: ‚Ach, schau doch, ich habe so lange gebraucht um diese Antilope zu jagen. Wenn du mir so wenig Mais dafür gibst, lohnt es sich für mich nicht für dich zu jagen. Da wäre ich besser dran, wen ich mein eigenes Feld anlegen würde!’ Aber wenn er zuviel Mais verlangt, dann sage ich zu ihm: ‚Ach, komm, es ist so viel Arbeit, das Feld zu hacken und den Mais zu bewässern und zu ernten und zu trocknen. Wenn du mir so wenig Fleisch für den Mais gibst, dann geh ich doch lieber selber in den Wald zum Jagen!’

Kitundas Sohn lachte: „Ich weiß, wie ihr zwei immer schachert.“

„Und es stimmt auch. Wenn wir sehen, dass die Waldleute zu fett werden, dann wissen wir, dass wir ihnen zu viel Mais für ihr Fleisch geben, und wenn sie meinen, dass wir zu fett werden, dann wissen sie, dass sie uns zu viel Fleisch für unseren Mais geben. Du siehst, im großen und ganzen gleicht es sich aus und wir tauschen eine Tagesarbeit im Feld gegen eine Tagesarbeit im Wald aus. Aber mit diesem Geld – ich weiß gar nicht, wie es gemacht wird und ich kenne den Mann nicht, der es herstellt. Wie sollte ich wissen, oder auch nur erraten, wieviele Stücke Papier man an einem Tag machen kann?“

„Dasselbe habe ich den Agenten auch gefragt. Er hat gesagt, dass die Banknoten in der großen Stadt von Maschinen gemacht werden und dass sie in einer Stunde viele Tausend machen können.“

„Wenn sie so viele in so kurzer Zeit machen können, dann sind diese Papierstücke überhaupt nichts wert. Nicht einmal ein einziges Maiskorn! Hör auf mich, mein Sohn: Geh nicht auf die Plantage arbeiten. Arbeite auf deinen eigenen Feldern, und dir und deiner Familie wird es gut gehen. Ihr werden viel zu essen haben und alle werden sehen, dass du ein wohlhabender Mann bist und sie werden dich achten und respektieren.“

Kitundas Sohn sagte: „Ich werde es mir überlegen, Vater.“

Kitundas Sohn besuchte seinen Nachbarn und zeigte ihm das Geld, das der Agent ihm gegeben hatte: „Da, schau dir das an. Die Fremden nennen das Geld. Was gibst du mir dafür?“

Der Nachbar lachte: „Dafür? Gar nichts. Wenn ich so etwas brauche, dann pflücke ich ein Blatt vom nächsten Busch. Du weißt schon, wofür…“

Also ging Kitundas Sohn zu seinem anderen Nachbarn: „Hör zu, meiner Frau ist das Salz ausgegangen. Kannst du mir etwas Salz geben? Ich gebe dir dieses Geld dafür.“

Der andere Nachbar sagte: „Schau, ich gebe dir gern etwas Salz, weil wir Freunde sind. Du kannst es mir zurückgeben, sobald du kannst, oder du kannst mir ein paar Kassavawurzeln dafür geben. Aber was soll ich mit diesen Papierstücken?“

„Nun, die Fremden würden es dir für irgendetwas, was du brauchst, eintauschen. Für ein bisschen Zucker zum Beispiel oder für ein hübsches Stück Baumwollstoff.“

„Ich habe so etwas gehört, ja. Aber ich traue dieser Sache nicht. Schau, wenn ich eine Ziege habe, weiß ich, dass ich sie immer für irgend etwas anderes eintauschen kann, denn jeder Mensch braucht Milch und muss gelegentlich ein Stück Fleisch essen. Aber wer garantiert mir, dass ich jemanden finder, der Papierstücke braucht?“

Kitundas Sohn ging durchs ganze Dorf aber niemand wollte für sein Geld etwas eintauschen und niemand wollte mit ihm zur Plantage gehen um dort zu arbeiten. Also ging er auch nicht dorthin sondern bearbeitete seine eigenen Felder, wie es sein Vater und sein Großvater getan hatten, und seine Frau und seine Kinder waren gesund und wohlgenährt und er wurde von den anderen Dorfbewohnern geachtet.

 

In der Stadt an der Küste, wo die Schiffe der Fremden die Güter entluden, die die Fremden den Einwohnern verkaufen wollten, und die Baumwolle und das Kupfer und die Diamanten einluden, die die Fremden in ihrem Land jenseits des Meeres brauchten, rief der Gouverneur seine Berater zu einer Besprechung zusammen.

„Wir haben Probleme“, erklärte er. „Der Handel mit dem Mutterland läuft nicht so gut, wie er sollte. Dieses Land ist ideal für die Baumwollzucht, es ist voll von Kupfer und Diamanten. Aber wir können nicht genug Arbeiter für die Minen und Baumwollfarmen finden.“

„Und wo liegt der Grund dafür?“ fragte der Präsident der Handelskammer. „Es leben hier so viele Menschen. Was machen die den ganzen Tag?“

„Es scheint, dass sie damit zufrieden sind auf ihren eigenen Feldern zu arbeiten, ein bisschen Mais und Bananen anzupflanzen und ein paar Kühe und Ziegen zu halten“, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftsauschusses.

„Sie sind nichts als ein Haufen Faulpelze“, sagte der Kommandeur der Kolonialtruppe. „Wir sollten einfach Zwangsarbeit einführen!“

„Hmm, nun ja. Das Problem scheint zu sein, dass sie einfach nicht daran interessiert sind, für Geld zu arbeiten“, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses.

„Und warum glauben Sie, dass sie nicht an Lohnarbeit interessiert sind?“ fragte der Präsident der Handelskammer.

„Weil sie das Prinzip des Geldes nicht verstehen. Sie glauben, dass es nur wertlose Papierstücke sind.“

„Nun ja, es sind wertlose Papierstücke“, sagte der Präsident der Handelskammer lachend. „Ich wundere mich manchmal selber, wie das funktioniert. Ich wette, die Leute hier messen ihr Vermögen noch immer in Kühen und Ziegen.“

„So ist es“, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses.

„Auf gewissen Weise haben sie ja recht. Bei Kühen weiß man, woran man ist. Man kann immer jemanden findern, der Fleisch essen oder Milch trinken will, und wenn man die Kuh nicht eintauschen kann, kann man sie immer noch selber essen. Bei Gold ist es auch so, man kann es als Schmuck tragen oder sich falsche Zähne daraus machen lassen. Aber wir können die Leute natürlich nicht in Kühen bezahlen. Wissen Sie, als ich auf der Universität war, hat uns unser Professor gesagt: „Alles kann Geld sein, wenn die Menschen glauben, dass es Geld ist.“

„Und was können wir also tun, damit sie glauben dass unser Geld Geld ist?“ fragte der Gouverneur.

Der Präsident der Handelskammer überlegte: „Die jungen Männer wollen nicht für Geld arbeiten, weil die Bauern ihnen für das Geld kein Essen geben. Und die Bauern nehmen das Geld nicht an, weil die Handwirker ihnen für das Geld keine Töpfe und Hacken geben. Und so weiter…“

„Dann brauchen wir ein Gesetz, das sie zwingt Geld anzunehmen wenn jemand etwas kaufen will“, sagte der Kommandeur der Kolonialtruppen.

„Das ist nicht so leicht“, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses. „Sie würden ihre Waren bloß verstecken und sagen, dass sie nichts zu verkaufen haben. Wir wissen, dass das in anderen Ländern passiert ist. Wir können ja nicht jeden die ganze Zeit kontrollieren. Nein, wir müssen sie irgendwie überzeugen, dass sie Geld brauchen, dass der Handel und die Wirtschaft ohne Geld nicht blühen können.“

„Es sollte nicht so schwer sein, sie zu überzeugen“. Der Vorstand des Finanzausschusses sprach zum ersten Mal.

„Und wie soll das gehen?“ fragte der Gouverneur?

„Wir können sie zwar nicht zwingen, Geld anzunehmen, aber wir können sie zwingen, uns Geld zu geben. Wir verlangen, dass jeder jedes Jahr eine gewisse Summe als Steuer zahlen muss. Es ist leicht zu kontrollieren, ob jemand einmal im Jahr seine Steuer bezahlt hat. Und die Steuer muss in unserem Papiergeld bezahlt werden. So werden alle genötigt sein, sich irgendwie dieses Geld zu beschaffen. Und sie werden bereit sein, für Geld zu arbeiten und Waren gegen Geld einzutauschen. Wir werden die Arbeiter haben, die wir brauchen, und werden ihnen unsere Waren verkaufen können.“

„Ein großartiger Gedanke!“ sagte der Gouverneur, und der Präsident der Handelskammer und der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses klatschten Beifall.

„Und wenn sie nicht zahlen, marschieren sie in Gefängnis“ fügte der Kommandeur der Kolonialtruppen hinzu, und dieses Mal applaudierten die anderen auch ihm.

 

„Also“, sagte der alte Kitunda, „jetze haben sie uns da, wo sie uns wollten!“

Die jungen Männer waren bereit, zur Plantage aufzubrechen.

„Mach dir keine Sorgen, Vater“, sagte Kitundas Sohn. „Ich werde das Geld verdienen um die Steuer für dich und für Mutter und für meine Frau zu bezahlen. Unserer Familie wird nichts passieren.“

„Ja. Aber unserer Felder werden brachliegen, weil uns eure starken Arme fehlen werden. Wir werden niemals mehr selber für uns sorgen können, wir werden vom Geld der Fremden abhängig sein und davon, ob sie uns für sich arbeiten lassen oder nicht.“

Der alte Kintunda umarmte seinen Sohn. „Ich hoffe, dass ich noch am Leben sein werde, wenn du von der Plantage zurückkommst, damit ich dich begrüßen kann. Aber vielleicht mag ich auch gar nicht mehr länger leben. Weißt du, als sie das erste Mal hier auftauchten, wollten einige von uns gegen sie kämpfen. Aber erst jetzt haben sie uns wirklich besiegt. Nichts wird mehr so sein wie früher.“

Und die jungen Männer marschierten davon.

Als der kleine Fritz in seinem großen roten Ballon beim Schloss des Zauberers landete, waren da viele tausend Kinder, die der böse Zauberer in der ganzen Welt geraubt hatte. Der kleine Fritz rief sie zusammen und verkündete: „Der böse Zauberer ist tot! Er hat sich zu weit aus dem Ballon gebeugt und ist hinuntergefallen!“

„Hurra!“ riefen die Kinder.

„Der rote Ballon hat mich hierher gebracht und ich bin gekommen, um euch zu retten!“

„Hurra!“ riefen die Kinder.

„Ich werde euch alle in meinem roten Ballon nach Hause bringen, damit ihr wieder bei euren Eltern wohnen und mit euren Freunden spielen und wieder in die Schule gehen könnt! Der rote Ballon wird ein jedes von euch genau an den Ort bringen, wo der böse Zauberer euch gefangen hat!“

„Hurra!“ riefen die Kinder. Aber es klang nicht mehr so laut. Und nicht mehr so fröhlich. Denn: Nicht alle Kinder hatten gerufen.

„Was ist los mit dir?“ fragte der kleine Fritz ein Mädchen. „Freust du dich nicht darauf, deine Eltern wiederzusehen?“

„Ich wohne nicht bei meinen Eltern“, sagte das Mädchen. „Ich lebe bei meiner Tante. Meine Mutter ist in ein fremdes Land gezogen und arbeitet dort als Dienstmädchen. Sie macht bei reichen Leuten das Haus sauber. Und mein Vater ist in ein anderes Land gezogen und baut dort Straßen. Sie kommen nur einmal im Jahr nach Hause. Meine Tante verkauft auf dem Markt Gemüse und nach der Schule muss ich auf ihre kleinen Kinder aufpassen.“

„Und was ist mit dir?“ fragte der kleine Fritz einen Jungen. „Wohnst du auch nicht bei deinen Eltern?“

„Doch“, sagte der Bub. „Ich wohne bei meinen Eltern. Aber ich kann nicht in die Schule gehen. Ich muss meinen Eltern beim Orangenpflücken helfen. Alle Kinder müssen mithelfen, damit wir genug Geld verdienen. Wenn meine Brüder und Schwestern und ich nicht mithelfen würden, würden meine Eltern nicht genug Geld verdienen, um für uns alle Essen zu kaufen und den Arzt zu bezahlen, wenn jemand krank wird.“

„Und was ist mit dir?“ fragte der kleine Fritz ein Mädchen, das auch nicht sehr glücklich zu sein schien. „Musst du auch mitarbeiten, damit deine Eltern genug verdienen?“

„Nein“, sagte das Mädchen. „Ich helfe meiner Mutter und meiner Tante im Haus. Aber da, wo ich herkomme, schickt man nur die Buben in die Schule. Mädchen müssen zu Hause bleiben und Kochen und Putzen und Nähen lernen und wie man auf kleine Kinder aufpasst. Später muss ich den Mann heiraten, den meine Eltern mir aussuchen werden. Ich würde gerne in die Schule gehen und lernen und später vielleicht Krankenschwester werden, aber das wird immer ein Traum bleiben.“

„Und du?“ fragte der kleine Fritz ein anderes Mädchen. „Warum freust du dich nicht, nach Hause zu kommen?“

„Wir haben kein Zuhause mehr. Eines Tages hat es im Radio geheißen, dass feindliche Soldaten sich unserer Stadt nähern, und wir mussten fliehen. Zwei Jahre lang habe wir in einem Lager gelebt mit einer Plastikplane als Dach überm Kopf und haben nichts zu tun gehabt. Dort bekommen wir jeden Tag ein bisschen Reis zu essen, aber wir müssen uns stundenlang anstellen dafür, und dann müssen wir uns wieder bei der Wasserpumpe anstellen um eine Kanne voll Wasser. Es gibt keine Arbeit für die Erwachsenen und keine Schule für die Kinder.

„Und was ist mit dir?“ fragte Fritz einen Jungen.

„Meine Eltern sind im Krieg getötet worden. Wenn der Ballon mich zurückbringt, weiß ich nicht, wo ich hin soll. Ich habe Angst, dass die Soldaten kommen und ich mit ihnen gehen und kämpfen muss. Und ich weiß gar nicht, gegen wen sie kämpfen und warum.“

Und so ging es weiter:

„Ich werde froh sein, meine Eltern wiederzusehen und mit ihnen die Kühe zu hüten. Aber unser Lehrer ist aus dem Dorf weggezogen um in den Kohlengruben zu arbeiten, weil die Regierung sein Gehalt nicht geschickt hat.“

„Das Erdbeben hat die Schule in unserem Dorf zerstört und sie ist nicht wieder aufgebaut worden.“

„Wir haben eine Schule in unserem Dorf, aber meine Eltern haben nicht genug Geld, um Bücher und Stifte zu kaufen, und darum kann ich nicht in die Schule gehen.“

„Meine zwei Schwestern und ich haben zusammen nur ein paar Schuhe. Deshalb kann immer nur eine von uns in die Schule gehen und die zwei anderen müssen zu Hause bleiben, denn da, wo ich wohne, ist es sehr kalt.“

„Meine Eltern hatten nicht genug Essen und Kleider für mich und meine Brüder. Da bin ich von zu Hause weggelaufen, damit sie es leichter haben. Wenn der Ballon mich zurückbringt, werde ich wieder betteln müssen und in der Nacht in einem Kanalrohr schlafen.“

„Ich gehe jeden Tag zwei Stunden zu Fuß, um für meine Familie Wasser zu holen. Und drei Stunden, um Brennholz zu suchen. Meine jüngeren Geschwister gehen in die Schule, aber meine Mutter braucht mich zu Hause, weil wir keinen Vater haben und ich die Älteste bin.“

„Ich weiß nicht, wer meine Eltern sind. Ich fahre mit den Eisenbahnzügen herum und sammle die Wasserflaschen, die die Leute liegen lassen. Ich mache sie sauber und fülle sie wieder mit Wasser an und verkaufe sie den Leuten im Zug. Die Hälfte von dem, was ich verdiene, muss ich dem Schaffner geben, damit er mich nicht aus dem Zug wirft.“

„Seit zwei Jahren hat es bei uns nicht geregnet. Wir können keinen Mais und kein Gemüse anpflanzen und wir mussten unsere letzte Kuh schlachten, weil wir sie nicht füttern konnten. Meine kleine Schwester ist krank geworden und gestorben, und meine Mutter sitzt nur da und starrt in die Luft, weil es nichts gibt, was sie tun kann!“

„Meine Eltern arbeiten auf der Baustelle. Ich helfe ihnen und schleppe Ziegel. Ich bin acht Jahre alt und kann acht Ziegelsteine auf dem Kopf tragen. Ich bin sehr stark und darauf bin ich stolz. Aber ich habe keine Zeit in die Schule zu gehen.“

„Ich möchte meine Eltern schon gern wiedersehen. Aber wo wir wohnen, müssen wir Wasser aus dem Fluss trinken, weil es keinen Brunnen gibt. Zwei von meinen kleinen Brüdern sind schon krank geworden und gestorben, weil das Flusswasser schmutzig ist.“

„Meine Familie und ich, wir wohnen auf einer Müllhalde am Stadtrand. Wir suchen nach Altmetall und Plastikflaschen und manchmal finden wir ein Radio oder sogar eine Waschmaschine, die man noch reparieren kann. Ich könnte nicht in die Schule gehen, sogar, wenn meine Eltern es erlauben würden, weil ich zu schmutzig bin und niemand neben mir sitzen wollen würde.“

„Meine Eltern sind aus dem Dorf in die Stadt gezogen, um Arbeit zu suchen. Wir schlafen auf einer Decke auf dem Gehsteig. Aber vielleicht haben meine Eltern inzwischen Arbeit gefunden. Sie haben mir versprochen, dass sie mich dann in die Schule schicken werden.“

„Meine Eltern konnten mir nicht genug zu essen geben. Also haben sie mich zu einer Familie als Dienstmädchen gegeben. Ich arbeite jeden Tag sechzehn Stunden und bekomme noch immer nicht genug zu essen. Warum sollte ich mich freuen, dorthin zurückzukommen, wo ich war?“

Der kleine Fritz war verzweifelt. Er fühlte sich gar nicht mehr als Held. Fast die Hälfte aller Kinder waren nicht wirklich froh darüber, dorthin zurückgebracht zu werden, wo sie hergekommen waren. Ihre Familien waren zu arm, um sie zu ernähren oder sie konnten nicht in die Schule gehen oder sie hatten kein sauberes Wasser zu trinken oder sie mussten hart arbeiten oder es gab keinen Arzt und kein Spital in ihrer Nähe oder sie hatten überhaupt keine Familie.

Die Kinder hatten sich in zwei Gruppen aufgeteilt: Die, die es gar nicht erwarten konnten, in den Ballon zu steigen und zu ihrem alten Leben zurückzukehren, und die, die fühlten, dass das Leben, das sie erwartete, nicht viel besser war als das, was sie jetzt hatten.

Da kam eines der Mädchen aus der glücklichen Gruppe herüber und nahm einen Jungen an der Hand und sagte: „Du kannst mit mir kommen und bei mir wohnen. Meine Eltern werden dir sicher Kleider und Essen geben. Dann musst du nicht mehr Orangen pflücken und wir können zusammen in die Schule gehen!“

„Danke!“ sagte der Junge. „Aber was ist mit meinen Brüdern und Schwestern? Und mit meinen Eltern? Können die auch kommen?“

Das Mädchen schaute zu Boden und zuckte hilflos die Schultern.

Da sagte ein Junge: „Bevor wir alle hier zusammengekommen sind, habe ich nicht gewusst, dass so viele Kinder unglücklich sind und in Armut leben. Wir müssen herausfinden, warum das so ist. Irgend etwas stimmt mit der Welt nicht. Vielleicht sollten wir alle zusammenbleiben. Alle sollen erzählen, wo sie herkommen und wie sie leben und was ihre Eltern tun, und vielleicht können wir herausfinden, was da nicht stimmt.“

Und ein größeres Mädchen sagte: „Ja, und wir müssen Bücher und Zeitungen lesen und herausfinden, wo die Schiffe mit den Nahrungsmitteln hinfahren und wo die Banknoten gedruckt werden und wie Bleistifte und Computer gemacht werden und wer den Lastwagenfahrern sagt, wo sie die Kleider und Schuhe abliefern sollen.“

Und ein Bub sagte: „Ja, bleiben wir zusammen und finden wir das alles heraus. Der böse Zauberer hat eine große Bibliothek mit Büchern aus der ganzen Welt gehabt. Vielleicht können wir dort anfangen!“

Und so wurde das beschlossen. Und ein Brief wurde geschrieben und der kleine Fritz wurde mit seinem roten Ballon ausgeschickt, um ihn an alle Eltern zu verteilen, und in dem Brief stand, dass die Kinder so lange nicht nach Hause kommen würden, bis sie herausgefunden hatten, was mit der Welt nicht stimmt und wie man die Dinge so einrichten kann, dass alle Kinder auf der Welt bei ihren Eltern leben und in die Schule gehen und mit ihren Freunden spielen können und sicher vor Hunger, Krankheit und Gewalt leben können.

Als Gott der Herr einmal auf die Erde herunterschaute und sah, wie die Menschen sich plagten und abmühten und einander weh taten, da wollte er ihnen helfen. Er braute schnell eine Medizin zusammen, die jede Krankheit heilt außer dem Tod durch Altersschwäche und füllte sie in eine Flasche, die niemals leer wird. Aber der die Flasche fand, war ein Apotheker, der wusste gleich, was er daran hatte. Und obwohl die Flasche niemals leer wurde, verkaufte er die Medizin nur an die mächtigsten Herrscher und die reichsten Händler, und die mussten ihm für einen Tropfen so viel Gold geben, wie ein mittlerer Palast wert ist. Und als der Apotheker starb, da war er der reichste Mann der Welt, aber die Flasche hatte er so gut versteckt, dass sie niemand finden konnte.

Da dachte sich Gott der Herr, dass das wohl nicht das richtige gewesen war. Und er backte schnell ein Brot, das jeden satt macht und das nicht weniger wird, soviel man davon auch abschneidet. Jetzt können alle Menschen wenigstens satt werden, dachte er. Und er tat das Brot in einen Korb, den band er an eine Wolke und ließ das Brot so auf die Erde hinunter segeln. Aber der das Brot fand, war ein General, und der ernährte damit seine Armee, die unbesiegbar wurde, weil ihr niemals das Essen ausging. Und er eroberte ein Land nach dem anderen und machte sich zum König von all diesen Ländern. Doch in einer großen Schlacht, als die Armeen mit Kanonen und Flammenwerfern aufeinander schossen, da verbrannte das Brot. Und so war der Menschheit wieder nicht geholfen.

Da dachte sich Gott der Herr, ich muss es anders machen. Und er schrieb schnell ein kleines Buch, das hieß: „Wie man glücklich wird und lange lebt“, und darin stand alles, was die Menschen wissen sollten, um gut miteinander auszukommen und gesund zu bleiben. Und er ließ das Buch auf die Erde segeln. Da kam eine Gruppe junger Mönche vorbei, die waren gerade in der Ausbildung. Und als sie das Buch fanden und merkten, was es war, da wollte es jeder haben. Denn jeder dachte sich, mit dem Wort Gottes in der Hand könnte er ein großer Priester werden und die Menschen würden ihn verehren und vielleicht sogar nach seinem Tod zu einem Heiligen machen. Und so rauften sie sich um das Buch und dabei zerrissen sie es, und jeder, der einen kleinen Fetzen davon ergattern konnte, rannte damit davon in ein anderes Land. Aber mit so einem kleinen Fetzen vom Wort Gottes konnte man ja nicht vor die Leute treten. Und so musste ein jeder seinen kleinen Fetzen vom Wort Gottes irgendwie ausbessern und mit Wörtern und Sätzen und Kapiteln ausstopfen und aufblasen, bis wieder ein dickes Buch daraus geworden war, das man herzeigen konnte. Und damit es nach was aussah, ließen sie die Bücher in teures Leder binden und mit Edelsteinen verzieren und an den Ecken vergolden. Und jeder behauptete, dass nur sein Buch das wirkliche und wahrhaftige und einzige Wort Gottes enthalte und alle anderen erstunken und erlogen seien. Und natürlich ist es schwer, in diesen dicken Büchern das kleine Fetzchen vom Wort Gottes zu finden, das noch drin stecken mag. Und so gab es erst recht wieder Streit und Uneinigkeit und Gewalttätigkeiten unter den Menschen, und sie hauten einander nicht nur Knüppel und Schwerter und Bomben um die Ohren, sondern auch noch das Wort Gottes.

Und als Gott der Herr auf die Erde herunterschaute und sah, was sie mit seinem Wort gemacht hatten, das sagte er wohl, ach was, macht euch euren Kram jetzt einmal selber. Er wird ja auch sehr beschäftigt sein und noch andere Dinge zu tun haben und hat wahrscheinlich gerade keine Zeit, um eine Sintflut zu schicken.

Die Jagd nach dem Zauberstab

Und wieder darf ich euch ein neues Hörbuch vorstellen, das bei audible.de erschienen ist. Es heißt: „Die Jagd nach dem Zauberstab“ und erzählt, wie Flo – eigentlich heißt sie ja Florentine – auf dem Dachboden einen Zauberstab findet – und zwar den allerletzten Zauberstab, den es gibt. Und so passiert, was Flo natürlich nicht wollte: Im Park verwandelt sie ein Kind in einen Hund. Und bevor Flo das Kind zurückverwandeln kann, entreißt ihr ein kleiner gelber Hund den Zauberstab und läuft davon. Flo saust hinterher – und so beginnt die turbulente Jagd nach dem Zauberstab!

Man kann dieses Hörbuch bei audible.de herunterladen. Der Download kostet € 11,95.

Es lebte einst ein Fisch, und der hieß Florian Flunkerfisch.
Er sah nicht nach viel aus, grau und schuppig war er bloß.
Doch wenn er erst mal redete, dann gab’s auch was zu hören:
Denn Flunkerfisch war klein, doch seine Phantasie war groß.

Flunkerfisch von Julia Donaldson, übersetzt von Martin Auer, mit Bildern von Axel Scheffler, kann man bei amazon.de bestellen.

Der wunderbare Zauberer von Oz

In dieser Folge darf ich euch mein Hörbuch „Der wunderbare Zauberer von Oz“ vorstellen, das bei audible.de erschienen ist. Es erzählt, wie die kleine Dorothy von einem Wirbelsturm aus Kansas in ein rätselhaftes Land gewirbelt wird. Hier ist alles anders. Nur der Zauberer von Oz, heißt es, kann Dorothy helfen. Aber wo wohnt dieser mächtige Zauberer? Mit dem Vogelscheuch, dem Blechernen Holzfäller und dem Ängstlichen Löwen besteht Dorothy viele Abenteuer auf dem Weg zur Smaragdenen Stadt, wo sich der Zauberer verbergen soll.

Das Hörbuch kann man bei audible.de als Download kaufen, es kostet €11,95.

Der große Krieg auf dem Mars war zu Ende gegangen. Müde und traurig schleppten sich die hellrosa Gnuffs nach Hause. „Nie wieder einen Krieg!“ stöhnten sie. Sie hatten den Krieg verloren.

Müde und traurig schleppten sich auch die blasslila Moffer nach Hause. „Nie wieder einen Krieg!“ stöhnten sie. Dabei hatten sie den Krieg gewonnen.

Aber auf dem Schlachtfeld lagen fast genauso viele tote Moffer wie tote Gnuffs, und schrecklich viel grünes Blut war geflossen…

Wir bestiegen unser Raumschiff: Anja, Carlotta und ich.
Die Erde verzischte als blauer Punkt hinter uns, so schnell flogen wir.
Unser erster Planet hieß Hundeschnauze. Der gehörte uns ganz allein.
Dort spielten wir sieben Jahre lang “Schwarzer Mann” und drei Jahre “Fang dir ein Brüderchen!” und aßen Spaghetti aus Büchsen.
Wir rollten uns in Blätter von Pfeffersträuchern und träumten, dass uns Schnäbel wuchsen, und aus den Schultern lange Federschlangen.
Als der Planet zerfallen war, flogen wir weiter…

Auf einem winzigen Planeten, da lebten einmal welche, die waren fleißig, und andere, die waren weniger fleißig. Dann gab es noch ein paar ganz Fleißige und ein paar ganz Faule. Mit einem Wort – es war so wie überall im Universum. Nur dass die Faulen und die Fleißigen alles, was sie erzeugten – es waren hauptsächlich verschiedene Sorten Karotten -, auf einen Haufen schmissen und dann gemeinsam davon aßen. Das war nicht so wie überall…

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